Kleine Tiere, großes Mitgefühl
Kaum ein Wildtier weckt so viel Hilfsbereitschaft wie der Igel. Er rollt sich ein, wenn er erschreckt ist, statt zu fliehen – und wirkt dabei fast hilflos. Doch nicht jeder Igel, dem man begegnet, braucht menschliche Hilfe. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht, und falsch verstandene Fürsorge kann dem kleinen Stacheltier mehr schaden als nützen.
Wann ein Igel wirklich Hilfe braucht
Diese Anzeichen deuten auf einen hilfsbedürftigen Igel hin:
- Der Igel taumelt, dreht sich im Kreis oder liegt auf der Seite.
- Er ist tagsüber unterwegs und wirkt apathisch (gesunde Igel schlafen tagsüber).
- Er wiegt im Herbst weniger als 500 Gramm – zu leicht für den Winterschlaf.
- Er hat sichtbare Verletzungen, Wunden oder Parasiten (Fliegenmaden).
- Er liegt regungslos in der Kälte oder im Regen.
Wann Sie einen Igel in Ruhe lassen sollten
Ein Igel, der nachts aktiv durch den Garten läuft, ist vollkommen gesund und braucht keine Hilfe. Auch ein Igel, der sich eingerollt hat und auf Berührung mit Zischen oder Zusammenrollen reagiert, zeigt normales Schutzverhalten – er ist nicht krank, er ist wachsam.
Bitte niemals: Einen gesunden Igel „zur Sicherheit" nach drinnen holen – das stresst das Tier enorm und unterbricht seine natürlichen Vorbereitungen auf den Winterschlaf.
Erste Hilfe für einen verletzten Igel – Schritt für Schritt
- Handschuhe anziehen (Igel können Flöhe und selten auch Krankheitserreger tragen).
- Den Igel vorsichtig in einen Karton mit Luftlöchern legen, mit einem alten Handtuch auskleiden.
- Wärme anbieten: Eine mit warmem Wasser gefüllte Flasche, in ein Tuch gewickelt, unter die Kartonhälfte legen.
- Wasser anbieten – kein Milch! Milch schadet Igeln.
- Sofort eine Igelstation oder einen Tierarzt kontaktieren.
Was Igel fressen – und was ihnen schadet
| Geeignet | Nicht geeignet |
|---|---|
| Katzenfutter (ohne Fisch) | Milch und Milchprodukte |
| Hartes Gekochtes Ei | Brot und Gebäck |
| Frisches Wasser | Rohes Fleisch |
| Hundetrockenfutter | Früchte und Gemüse |
Igelfreundlicher Garten – so helfen Sie das ganze Jahr
Die beste Hilfe für Igel ist nicht die akute Rettung, sondern ein Lebensraum, in dem sie gar nicht erst in Not geraten:
- Laubhaufen und Reisighaufen als natürliche Unterschlüpfe liegen lassen.
- Auf Pestizide und Schneckenkorn verzichten – beides tötet die Nahrungsgrundlage des Igels.
- Teiche und Pools mit einer Ausstiegshilfe (Brett, Steine) sichern.
- Maschendrähte und Netze im Garten kontrollieren – Igel verfangen sich leicht.
- Vor dem Mähen das Gras auf Igel prüfen, besonders abends.
Igelstationen in Ihrer Nähe finden
In Deutschland gibt es ein flächendeckendes Netz ehrenamtlicher Igelstationen. Die Website des Pro Igel e.V. (pro-igel.de) bietet eine Stationsliste nach Postleitzahl. Diese Ehrenamtlichen verdienen unsere Unterstützung – sei es durch Spenden, Futtermittel oder einfach durch das Weitergeben dieser Informationen.